Gästebuch

Für Besucher und Adoptanten

Der Tierschutzverein SOS-Dogs e.V. hat Ihnen Ihren Hund vermittelt und Sie möchten uns und anderen Adoptanten von Ihren Erfahrungen berichten? Hier haben Sie die Möglichkeit, uns zu schreiben. Ihr Beitrag ist für alle Interessenten einsehbar und ist sicherlich für den ein oder anderen eine Entscheidungshilfe bei der Frage, ob es denn nun ein Hund aus dem Tierschutz sein darf – oder vielleicht sogar sein soll? Haben Sie Ihren Hund umgetauft? Bitte beziehen Sie sich in Ihrem Eintrag ins Gästebuch bitte auch auf den ursprünglichen Namen.

Sie sind auf der Suche nach einem Hund oder nach Infos zum Tierschutz in Spanien auf unsere Homepage aufmerksam gemacht worden und möchten uns mitteilen, dass sie zu Besuch waren? Vielleicht haben Sie auch Anregungen oder Verbesserungsvorschläge für uns.  Unser Gästebuch bietet Ihnen die Möglichkeit für eine Rückmeldung.

Wir danken Ihnen für Ihre Mühe und freuen uns, von Ihnen zu lesen!

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Bernd Niethammer aus Nieder-Olm schrieb am 18/04/2021 um 3:05 p.m.
Hallo liebe Leute von SOS-Dogs, hallo Aline,
ich habe mich für die Adoption eines Hundes aus Russland beworben und möchte etwas zu meinen Erwartungen, Hoffnungen und Gedanken zu der Adoption eines mir - jenseits von vielen Videos und Bildern - völlig unbekannten Hundes aus der Betreuung von SOS-Dogs sagen, auch wenn dies kein Forum ist. Der Hund ist noch nicht bei mir, wird jedoch hoffentlich trotz schwieriger Reisebedingungen bald bei mir eintreffen.
Zunächst ist mir wichtig zu betonen, daß ich mir darüber im Klaren bin, daß alle Informationen zu dem Tier, zu dem ich mich sehr hingezogen fühle, extrem einseitig sind. Der Hund kennt mich nicht und will eigentlich nur die Sicherheit, die ihm im besten Falle Konstanz (schreibt man das so?), Berechenbarkeit, Zuverlässigkeit und die Erfüllung aller anderen Grundbedürfnisse, geben. Das Grundbedürfnis "Sicherheit", welches wir Menschen übrigens auch haben, ist bei dem Hund bereits mehrmals nachhaltig erschüttert worden, oft in einer Phase, in der er ganz besonders auf Schutz und Sicherheit angewiesen ist. Er ist ausgesetzt, geprügelt und verlassen worden, er ist oft genug fast verhungert, krank und völlig auf sich gestellt gewesen, in für ihn gefährlichen, lebensbedrohlichen Umgebungen und Situationen. Um zu überleben, musste er sein Verhalten diesen Gegebenheiten anpassen, und das hat etwas mit dem Hund gemacht
Beim Menschen führen solche Erschütterungen oft genug zu Persönlichkeitsstörungen und Traumata, die ziemlich komplex sind und langer Therapiezeiten bedürfen - sofern sich der Mensch über seine Störung oder des Traumas überhaupt im Klaren ist und die Probleme sieht. Die größten Probleme, welche sowohl beim Menschen als auch beim Hund auftreten, sind Beziehungsprobleme die aus der Fokussierung auf das Überleben resultieren. Es war wenig Platz für soziale Interaktion. Es geht deshalb darum, wieder sozial kompatibel zu werden. (da kenne ich mich beruflich bedingt etwas aus)
Sich an einen Menschen anzuschließen bietet, vom Mensch aus betrachtet, für den Hund viele Vorteile: Nahrung, Schutz, Unterschlupf… Der Mensch erwartet im Gegenzug nicht mehr und nicht weniger als möglichst innerhalb der ersten Woche ein Verhalten, welches dem von Lassie, Huutsch, Boomer und anderen Tieren, die man so im Unterbewusstsein hat, ähnelt. Bei dem Erfahrungshintergrund, den ein Tierschutzhund hat, schließe ich jedoch aus daß er diesen Erwartungen von Anfang an gerecht werden kann. Der Mensch, der den Hund adoptiert, denkt aber leider oft, daß dieses Konzept beim Hund intellektuell und genetisch nicht nur fest verankert sei, sondern daß es nur eines ausführlichen Gespräches mit dem neuen besten Freund bedürfe, um ihm - dem Hund - diese Dinge wieder in´s Gedächtnis zu rufen. So hat´s ja auch mit dem Partner, den Kindern etc immer geklappt. Kommunikation ist alles! Man vergisst mangels Erfahrung dabei, daß die kognitiven Eigenschaften eines Hundes nicht mit denen des Menschen vergleichbar sind. Die wichtigste Frage des Hundes wird vermutlich sein: wer ist der Boss? Kann Boss für meine Grundbedürfnisse sorgen so wie es ein Boss tun soll? Daraus folgt, daß nur und ausschliesslich das Verhalten des Menschen bestimmt, wie der Hund sich verhält – ohne Ausnahme.
Ein Hund ist meiner Erfahrung nach ziemlich gut darin, das Verhalten und die Emotionalität, die Energie der meisten anderen Lebensformen zu bemerken. Die Beobachtungen wird er nutzen, um seine Grundbedürfnisse zu befriedigen. Wenn der Mensch also in den Augen des Hundes unvernünftig, unverständlich und „kontraproduktiv“ agiert, wird der Hund voraussichtlich zunächst ebenso agieren. Dann wird seitens des Menschen intensiver auf den Hund eingeredet, es werden mehr Leckerchen gegeben, und es wird erwartet, daß der Hund endlich Dankbarkeit zeigt. Leider kennt der Hund das Konzept Dankbarkeit nicht. Er kennt Freude, Trauer, Schmerz, Lust, Angst, Hunger, und Durst - aber keine Dankbarkeit. Dem Hund ist völlig egal ob das Futter teuer oder nicht ganz so teuer ist, Hauptsache er bekommt es. Und es ist ihm zum Beispiel auch nicht egal, ob er Aufmerksamkeit bekommt. Man braucht sich nur mal mit seinem Hund in einem Raum zu befinden und ihn länger anschauen, oder eben nicht anschauen. Wenn ich der Boss bin wird Hund jede meiner Regungen positiv registrieren. Wenn ich nicht der Boss bin wird er eingreifen wenn er das im Sinne der „Rudelgesundheit“ für erforderlich hält. Er wird selbst für den Schutz des Rudels sorgen.
Ich will nun keinen Roman schreiben, zumal ich mein Halbwissen lediglich aus der eigenen Erfahrung mit bisher zwei Hunden und einem spanischen Tierschutzhund einer Freundin, einiger vor dreißig Jahren gelesenen Bücher und den üblichen YouTube Filmen habe. Hinzu kommt einiges an Human-Psychologie. Ich habe gelernt, daß es gut ist, wenn man sich außerdem ein bisschen mit der Psyche und den Kommunikationsmöglichkeiten des Hundes beschäftigt, erst recht weil der Mensch der Boss sein soll. Wenn wir diese Aufgabe nicht erfüllen, wird der Hund schweren Herzens die Aufgabe des Bosses übernehmen, gestresst und unglücklich, weil sein wichtigstes Rudelmitglied offensichtlich zu blöd ist die Regeln eines gedeihlichen Miteinanders zu kapieren. Um diese Regeln, ohne die man in der Welt des Hundes draufgehen kann, im Menschen zu verankern, ist Hund jedes Mittel recht, wirklich jedes. Wenn ich nicht in der Rangfolge unter dem Hund stehen will, sollte mir dies klar sein. Schwieriger wird es noch, weil der Hund Erfahrungen gemacht hat, die denen eines Flüchtlings aus einem Kriegsgebiet wahrscheinlich nicht unähnlich sind. Da ist Nachsicht des Bosses (Hund) lebensgefährlich. Es ist also wirklich viel besser, wenn der Mensch die Rolle des Chefs besetzt!
Ich denke, wenn dem zukünftigen Besitzer eines Tierschutzhundes diese Umstände klar sind, ist die Chance auf ein wunderbares und glückliches Miteinander besser. Die Lernkurve, die Mensch und Hund gemeinsam durchlaufen, wird von mehr Erfolg als Misserfolg geprägt. Mitleid wird zu Verständnis, und man kann ein richtig, richtig gutes Team werden.
Ich empfinde das als wunderbare Herausforderung und hoffe sehr, daß die glücklichen Momente die Probleme überwiegen werden, und man sich auf die nächsten gemeinsamen Erlebnisse freut.
Auch den Moment, in dem man morgens, noch sehr verschlafen, plötzlich mit nackten Füßen in einer braunen, noch körperwarmen Masse steht, die zwischen den Zehen hervorquillt, und über Mord nachdenkt, sollte man mit dieser Einstellung hinter sich lassen können. 😊

Nieder-Olm, 09.04.2021
Bernd Niethammer
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